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Die Geschichte der Russlanddeutschen

Die Geschichte der Russlanddeutschen ist von den historischen Ereignissen in Europa stark geprägt.

Das Manifest der Zarin

Es war die russische Zarin Katharina die Große, die 1762 ein Manifest erließ, das ausländische Kolonisten einlud sich in Russland niederzulassen. Weite Gebiete waren zu dieser Zeit kaum oder gar nicht besiedelt, so dass man sich einen wirtschaftlichen Aufschwung erhoffte. Ausländische Fachkräfte sollten das Land urbar machen und die Versorgungssituation verbessern, daher wurden auch Privilegien und Vergünstigungen ausgelobt:

<ul>
<li>Religionsfreiheit</li>
<li>kostenlose Landzuteilung</li>
<li>Befreiung vom Militärdienst</li>
<li>kommunale Selbstverwaltung</li>
<li>30 Jahre Steuerfreiheit</li>
</ul>

Vor allem deutsche Familien folgten dem Manifest, wobei die Regierung der Zarin sich anfangs nicht an alle Versprechungen hielt. Die meisten Russlanddeutschen ließen sich in der Wolgaregion nieder, später unter Zar Alexander I. auch im Kaukasus und am Schwarzen Meer. Die Einwanderungsbedingungen wurden verbessert, was in den besiedelten Regionen zur wirtschaftlichen Blüte führte.

Aufkommende antideutsche Stimmung

1871 endete die staatliche Förderung für Einwanderer, bis dahin waren gut eine Million Menschen von Deutschland nach Russland ausgewandert. Die russlanddeutsche Minderheit war zu einer politisch einflussreichen, ökonomisch erfolgreichen und sozial integrierten Gruppe im Zarenreich aufgestiegen. Durch das Angleichungsgesetz änderten sich nun die Voraussetzungen, die Russlanddeutschen sollten russifizert werden. Die immer stärker werdende antideutsche Stimmung sorgte für Unruhe unter den deutschen Siedlern, viele wanderten erneut aus, diesmal Richtung Nord- und Südamerika.
Insgesamt betrug die Anzahl der Russlanddeutschen zu Beginn des 20. Jahrhunderts über zwei Millionen Menschen. Viele von ihnen waren recht wohlhabend, was den Neid der russischen Bevölkerung hervorrief.

Im Ersten Weltkrieg galten die Russlanddeutschen als “innerer Feind” – der letzte Zar, Nikolaus II., verbot die Nutzung der deutschen Sprache in der Öffentlichkeit. Auch Enteignungen und Vertreibungen wurden immer häufiger. Dennoch kämpften 300.000 deutschstämmige Soldaten in der Armee des Zaren.
1915 wurde ein Liquidationsgesetz erlassen, infolgedessen 200.000 im Grenzgebiet lebende Russlanddeutsche enteignet und nach Sibirien deportiert wurden. Auch in Moskau kam es zu Pogromen gegen Deutsche. Mit dem Ende des Krieges entspannte sich die Situation.

Von den Wolgadeutschen wurde 1924 sogar ein eigenständiges deutsches Verwaltungsgebiet erschaffen, die Autonome Sozialistische Sowjetrepublik der Wolgadeutschen (ASSRdWD). Hier wurde, neben russisch und ukrainisch, offiziell deutsch gesprochen, es gab auch zahlreiche deutsche Kulturvereine und deutsche Zeitungen.

Mit der Machtergreifung Hitlers begann eine besonders harte Zeit für die Russlanddeutschen. Seit den frühen fünfziger Jahren kehrten 5,5 Millionen Menschen als (Spät-)aussiedler in die Bundesrepublik Deutschland zurück.