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Die Unterdrückung der Russlanddeutschen unter Stalin

Russlanddeutsche hatten unter Stalin schwer zu leiden. Was versteht man eigentlich unter dem Begriff Russlanddeutsche? Hierbei handelt es sich um eine ethnisch deutsche und deutschstämmige Minderheit im russischen Staat. Der Großteil dieser Minderheit ist mittlerweile nach Deutschland übergesiedelt.

Die Zeit unter Stalin

Die Veränderungen für die Russlanddeutschen begann vor dem Jahr 1871, als die Leibeigenschaft abgeschafft wurde. Zwar arbeiteten russische Bauern als Tagelöhner weiterhin bei deutschen Bauern, aber sie waren keine “Sklaven” mehr.
Im Jahr 1871 trat dann das “Angleichungsgesetz” in Kraft. Dieses Gesetz hob den Sonderstatus für die deutschen Kolonisten auf. Ab sofort war der Militärdienst auch für sie verpflichtend und die russische Sprache wurde zur Schulsprache. Die Russlanddeutschen waren geteilter Meinung das “Angleichungsgesetz” betreffend. Einige verstanden es als einen Schritt zur Integration, aber andere sahen darin einen Versuch der Assimilation der deutschen Kolonisten ins russische Reich. Diese Ereignisse führten dazu, dass bis zum Jahr 1912 ca. 300.000 Russlanddeutsche auswanderten. Allerdings lebten bis 1914 immer noch 2,4 Millionen Russlanddeutsche in Russland.

Es kann als Fakt angesehen werden, dass schon zu diesem Zeitpunkt eine Antideutsche Stimmung in Russland herrschte. Die deutschstämmigen Bewohner waren zumeist wohlhabender als ihre russischen “Landsleute”. Bereits im Ersten Weltkrieg wurden Russlanddeutsche, die in der russischen Armee kämpften, als mögliche Verräter angesehen. Im Jahr 1914 wurde die deutsche Sprache offiziell verboten und 1915 kam es in Moskau zu Übergriffen auf die “deutsche” Bevölkerung!

In den folgenden Jahren verschlimmerte sich auch die innerpolitische Lage und es kam schließlich 1917 zur Oktoberrevolution. Es folgten Jahre des Bürgerkrieges unter dem natürlich auch die Russlanddeutschen litten. Insbesondere die Wolgadeutschen, die nun zusammen mit den Schwarzmeerdeutschen im Machtbereich der Sowjetunion lebten. Als Stalin dann an die Macht kam, verschlimmerte sich die Lage der Russlanddeutschen weiter. In den Jahren 1932 und 1933 gab es eine gewaltige Hungerkatastrophe in Russland, als Stalin die Kollektivierung der Landwirtschaft durchsetzte. Dieser Katastrophe fielen Millionen von Menschen zum Opfer, unter ihnen auch ca. 350.000 Russlanddeutsche.

Als die Nationalsozialisten in Deutschland an die Macht kamen, wurden die Russlanddeutschen von Stalin wieder als “innere Feinde” und Spione verdächtigt. So wurden alle Russlanddeutschen auf geheime Listen gesetzt und zusammengefasst. Viele dieser Menschen wurden zum Tode oder zu langen Gefängnisstrafen verurteilt, weil sie angeblich Sowjetfeinde waren. Als die Wehrmacht in Russland einmarschierte ließ Stalin zahlreiche Russlanddeutsche, teilweise in Viehwaggons, nach Sibirien, in den Ural oder Kasachstan deportieren. Damit sollte ein “Zusammenschluss” zwischen den Streitkräften Nazi-Deutschlands und den Russlanddeutschen verhindert werden. Erst nach Stalin “verbesserte” sich die Situation der Russlanddeutschen langsam. Allerdings berichten viele Spätaussiedler, die nach Deutschland umsiedelten, von Folgen des Krieges, die noch heute zu spüren sind.