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Spätaussiedler in Deustchland

Wer nach 1993 aus einem osteuropäischen Land nach Deutschland migriert ist, da die Familie deutsche Wurzeln hat, wird im Allgemeinen als Spätaussiedler bezeichnet. Doch was bedeutet dies genau? Welchen Status besitzen diese Menschen in Deutschland und welcher historische Hintergrund hat ihre Familiengeschichten geprägt?

Geschichte der Spätaussiedler

Die Kolonisation von Gebieten in Osteuropa und vor allem der endlosen Weiten des Russischen Reiches begann 1762, als die Zarin Katharina die Große ein Manifest verbreiten ließ, in dem sie ausländische Familien ausdrücklich dazu einlud, russische Gebiete zu besiedeln. Es folgte eine Auswanderungswelle, die fast 30.000 Deutsche an die Wolga zog. Die anfänglich schlechten Bedingungen dort wurden rasch verbessert, so dass im Jahre 1815 bereits 60.000 Wolgadeutsche in den Kolonien lebten. Mitte des 19. Jahrhunderts waren es im gesamten Russischen Reich fast eine Million Menschen deutscher Herkunft, die im Allgemeinen als gut integriert galten und friedlich mit ihren russischen Nachbarn zusammenlebten.

Unterdrückung und Vertreibung

Dies änderte sich mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges und dem unmittelbar darauf folgenden russischen Bürgerkrieg. Zwar wurde 1924 eine Autonome Sozialistische Sowjetrepublik (ASSR) der Wolgadeutschen gegründet, die Anfangs noch “Stalins blühender Garten” genannt wurde, doch bald ging man gewaltsam gegen deutsche Religionsgemeinschaften vor. Mit Hitlers Machtergreifung stieg die Zahl der willkürlichen Verhaftungen, bis 1948 wurden fast alle deutschstämmigen Menschen in Arbeitslagern oder Sondersiedlungen deportiert. Ein Besuch Konrad Adenauers 1955 brachte die Amnestie, doch erst Gorbatschow erließ im Zuge von Glasnost und Perestroika, Offenheit und Umbau, 1986 ein Dekret, das auch den Russlanddeutschen eine ungehinderte Ausreise als aus der UdSSR ermöglicht.

Der Status der Spätaussiedler

Mit der Öffnung der Grenzen 1989 stieg die Zahl der Aussiedler dramatisch an. Der Begriff “Spätaussiedler” wird von 1993 an benutzt und bezeichnet insbesondere Deutschstämmige aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion. Da man davon ausging, dass die Spätaussiedler dort unter generellen Benachteiligungen zu leiden hatten, mussten sie diese auch nach 1993 nicht im Besonderen nachweisen. Die meisten Spätaussiedler kamen, zahlenmäßig in dieser Reihenfolge, aus folgenden Ländern nach Deutschland:

  • Sowjetunion und Nachfolgestaaten
  • Polen
  • Rumänien
  • Tschechoslowakei und Nachfolgestaaten
  • Jugoslawien und Nachfolgestaaten
  • Ungarn

Seit 2005 gilt die Regelung, dass Spätaussiedler und ihre Familienangehörigen Grundkenntnisse der deutschen Sprache nachweisen müssen. Diese dürfen nicht in einem Sprachkurs erworben worden sein. Seither ist die Anzahl der Spätaussiedler, die in die Bundesrepublik Deutschland kommen, stark zurückgegangen.